Thun retour

Herzogenbuchsee liegt in etwa auf halber Strecke nach Thun. Also sagte ich mir, weshalb nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und verabredete kurzerhand einen Verwandtschaftsbesuch im Berner Oberland mit Zwischenhalt beim 7. MG-Teilemarkt in Herzogenbuchsee.

Reiseroute nach Thun

Optimismus
Zyniker mögen behaupten, ich hätte die Fahrt zum MG-Teilemarkt bloss deshalb eingeplant, um unterwegs Kaputtgegangenes per Boxenstopp reparieren zu können. Aber trotz des verhängnisvollen Zwischenfalls am Scheltenpass, war ich nach wie vor vom guten Zustand meines TwinCams überzeugt. Und für einmal schien es wirklich keine technischen Probleme zu geben. Der TwinCam zeigte während der ganzen Fahrt weder Material- noch sonstige Ermüdungserscheinungen. Die Ventile rasselten im Zylinderkopf stoisch vor sich hin, die Betriebstemperatur und der Öldruck blieben beeindruckend konstant.

Landschaftsidyll
Die erste Etappe führte mich über Bremgarten, das See- und Suhretal nach Zofingen und weiter über Langenthal bis nach Herzogenbuchsee. Nur ein paar Kilometer entfernt zum mittelländischen Industriezonen-Einerlei entlang der Hauptverkehrsachse Zürich/Bern, zeigte sich hier die Landschaft als Inbegriff einer Schweizer Idylle. Auf arkadische Hügellandschaften folgten lange, schattige Waldpartien, dazwischen Bauernhöfe, wie sie Gotthelf beschaulicher nicht hätte schildern können. Kühe grasten auf saftig Wiesen, Kinder spielten in gepflegten Vorgärten und was hinter der Haustüre vor sich geht, geht niemanden was an.

Abgesagt
Da ich bisher noch nie weder in Herzogenbuchsee, geschweige denn am MG-Teilemarkt war, kurvte ich eine ganze Weile im Industriequartier herum, bis ich das Veranstaltungsgelände endlich fand. Aber erst vor Ort realisierte ich, weshalb weder Hinweisschilder noch sonstige Anzeichen auf den MG-Teilemarkt hinwiesen. Der 7. MG-Teilemarkt war zwischenzeitlich, wie mir der Organisator am Telefon erklärte, wegen mangelnder Teilnahme abgesagt worden. In einem anderen Fall wäre das schon ziemlich ärgerlich gewesen, nach einer langen Fahrt von geschlossenen Toren vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Aber vor mir lag ja noch ein weiteres, weit wichtigeres Etappenziel.

Langsam genug
Über Burgdorf, Hasle, das Bigental hinauf, ging es weiter in Richtung Berner Oberland. Bis nach Thun war es nun nicht mehr weit. Zum Glück, denn nach fast 4 Stunden unter praller Sonne fühlte ich mich mittlerweile ziemlich durchgebraten. Da half auch ein kurzes Schattenparkieren in Grosshöchstetten nicht wirklich viel. Der TwinCam hielt sich da wesentlich besser. Ihm wurde es erst im Stadtverkehr von Thun – was vorhersehbar war – zu heiss. Aber auch die letzten Kilometer hielt er eisern durch.

Die Ruhe vor der Rückfahrt
Den Nachmittag durfte ich, umgeben von schattigem Gartengrün, mit guten Gesprächen, gutem Wein und gutem Essen zur Erholung nutzen. Unter solchen Umständen verstreicht die Zeit naturgemäss meist schneller als einem lieb ist und so bemerkte ich erst, als es am Eindunkeln war, dass die Zeit zum Aufbruch unwiderruflich bevor stand. Gegen 21 Uhr fuhr ich los. Richtung Zürich. Richtung Autobahn. Denn nach einer Landpartie im Dunkeln war mir jetzt nicht mehr zu Mute. Einfach auf dem schnellsten Weg nach Hause. Auch wenn es sich dabei um den langweiligsten Weg handelte.

Statistik
Zähler: 37787km l Strecke: 336km

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