MGA Club Jubiläumsfahrt

Das fängt ja gut an, dachte ich, als ich die Verkehrsmeldungen am Radio hörte: «Folgende Alpenpässe sind provisorisch gesperrt: …» Weiter musste ich gar nicht hinhören. Denn die MGA-Club Jubiläumsfahrt zum 35-jährigen Bestehen würde über mindestens zwei der provisorisch verschneiten Alpenpässe führen. Für ereignisreiche Wetterverhältnisse würde also gesorgt sein.

Reiseroute der Jubilaeumsfahrt

Treffpunkt Autobahnraststätte
Ich war noch keine 20 Meter aus der Garage heraus, als ich sofort wieder rechts ranfuhr. Auch wenn eine gesunde Portion Optimismus zu jeder TwinCam-Ausfahrt dazu gehört, so muss das Schicksal nicht immer und unter allen Umständen herausgefordert werden. Denn was sich innerhalb der letzten 30 Minuten am Himmel zusammengebraut hatte, liess definitiv nicht mehr auf eine trockene Fahrt bis zum Treffpunkt schliessen. Und der Treffpunkt hiess «Raststätte Glarnerland». 45 Minuten Autobahnfahrt in Richtung Gewitterwolken. Es gibt angenehmeres, als mit einem offenen Roadster auf der Autobahn in ein Gewitter zu fahren. Ich war denn auch kaum aus Zürich heraus, als es losging. Eine Fahrt, wie durch eine Waschstrasse, bloss länger. Die Scheibenwischer taten ihr Möglichstes – was nicht eben gerade viel ist, aber immerhin. Und als ob das noch nicht genug wäre, begann die Windschutzscheibe auch noch von innen zu beschlagen. Auch ich tat auch mein Möglichstes, mit einem Papiertaschentuch. Und nicht zum ersten Mal dachte ich heute; das fängt ja gut an. Und es würde nicht das letzte Mal sein.

Jubilaeumsfahrt_2

Schnee im Hochsommer
Nachdem alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Clubausfahrt in der Raststätte eingetroffen waren, konnte Hanspeter die bis dato noch unbekannte Reiseroute bekannt geben. Die Jubiläumsfahrt würde uns am ersten Tag durchs Prättigau, über den Flüelapass ins Engadin, zum Julier hinauf bis nach Bivio führen. Dort würden wir übernachten und am Sonntag über die Lenzerheide wieder zurück ins Unterland fahren.
Je näher wir unserem zweiten Etappenstopp kamen, desto flockiger wurde der Regen. Und als wir in Davos-Wolfgang ankamen, lag bereits zentimeterweise Neuschnee. Zum Glück nicht mehr auf der Strasse, aber der Anblick reichte, um dem einen oder anderen sommerbereiften MG-Fahrer Respekt einzuflössen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil dies ja erst der Anfang unserer «Winterfahrt» war und der Flüela-Pass (2383m.ü.M.) sowie der nur hundert Meter tiefer gelegene Scheitelpunkt des Julierpasses noch vor uns lagen.
Immerhin waren die heute Morgen noch provisorisch gesperrten Alpenpässe wieder als geöffnet gemeldet worden. Aber ob sie «normal befahrbar» sein würden, müsste sich erst noch weisen. Schliesslich schneite es noch immer und eine Wetterbesserung schien nicht in Sicht. Trotz dieser Widrigkeiten schraubte sich die MGA-Kolonne unbeirrt die Passstrasse hinauf. Ein reizvoller Anblick, wenn die Sicht besser gewesen wäre. Aber die Waschküche innerhalb und ausserhalb des Wagens verlangte nicht nur höchste Konzentration auf das Verkehrsgeschehen sondern vereitelte so manchen Ausblick auf die vor und hinter einem fahrende Wagenkolonne. Immerhin war die Strasse grösstenteils schneefrei. So ging es stetig und ohne unnötigen Rutschpartien in Richtung Passhöhe.
Auf der Passhöhe gab es einen kurzen Zwischenstopp. Zu kurz für die, durch das ganztägige Fahren mit Licht und Scheibenwischanlage ausgelaugte Batterie. Immerhin, ein Überbrückungskabel hätte ich wenigstens dabei gehabt. Aber nach langem Orgeln gelang es, Dank der Mithilfe von Beat, dann doch noch, den TwinCam wieder zu starten und eilends dem MGA-Tross hinterher zu fahren.

Die Hupe
Irgendwo zwischen dem Unter- und dem Oberengadin holten wir die anderen Clubmitglieder wieder ein. Gemeinsam ging es weiter nach St. Moritz, zum Hotel Waldhaus am See und der – nach eigenem Bekunden – grössten Whiskybar der Welt. Zwei Dinge stimmten mich hier ziemlich nachdenklich. Zum Einen: wird der TwinCam wieder nicht anspringen und zum Anderen: Whisky bloss anschauen und nicht trinken sollen, ist eine ziemlich beelendende Angelegenheit. Wenigstens konnte mich der TwinCam mit seinem souveränen Motorstart wieder ein bisschen aufheitern. Aber wer den TwinCam kennt, weiss auch, dass er letztlich eben auch ein äusserst hinterlistiges Gefährt sein kann. Und wer weiss das besser als ich. Nach kaum 200 Metern Fahrt ging die Hupe los. Nonstop. Und Anstalten, sich innert nützlicher Frist wieder zu beruhigen, wollte sie partout keine machen. Ein erste Fummelei an der Armaturenbrett-Verdrahtung verhalf St. Moritz wieder zu seiner gewohnten Ruhe. Aber nicht für lange. Kaum waren wir ein Stück ausserhalb von St. Moritz, ging die Tröterei wieder von vorne los. Jetzt kappten wir das Massekabel beim Hupenknopf. Das wirkte. Vorerst zumindest. Aber nicht für lange. Nach dem Julierpass, kurz vor Bivio, röhrte der TwinCam wieder wie ein brünstiger Hirsch. Jetzt half nur noch eins: Das Übel musste an der Wurzel gepackt werden. Beat kroch unter den TwinCam und durchtrennte kurzerhand die Stromversorgung der beiden Hupen. Jetzt konnte ich sicher sein, in aller Ruhe zu unserem Hotel in Bivio fahren zu können.

Mein Dank geht an die helfende Hände. (Bild: A. Thoma)

Mein Dank geht an die helfende Hände. (Bild: A. Thoma)



Die Rückfahrt
War der Samstag regnerisch, später verhangen, so lieferte der Sonntag das Kontrastprogramm dazu: Hochsommerliche Temperaturen und blauer Himmel, soweit das Auge reichte. Mit eingekellertem Verdeck und entsprechend gut gelaunt, ging es auf die Heimfahrt. Das Sursés hinunter bis nach Tiefencastel und über die Lenzerheide nach Chur. Einen letzten gemeinsamen Halt gab es in einem auch in Japan sehr bekannten Touristenlokal oberhalb von Maienfeld – Heidi und Peter grüssten aus allen Ecken. Ich mochte nicht zurück grüssen.

Fazit
In meinem Gepäck hatte ich nicht nur eine schwächelnde Batterie und eine lädierte Hupe, sonder auch und vor allem unzählige Eindrücke einer abwechslungsreichen, zeitweilig auch anspruchsvollen Fahrt, die dank der einwandfreien Organisation des Clubpräsidenten reibungslos verlief und die dank den sympathischen und hilfsbereiten Clubmitglieder immer kurzweilig und sehr unterhaltend war.



Statistik
Zähler: 38527km l Strecke: 429km

Eine Reaktion zu “MGA Club Jubiläumsfahrt”

  1. Andreas

    Sehr schön aufgemachte Site, gratuliere! Und gute Beschreibungen.

    Ich hatte mal ein vergleichbares Erlebnis. Allerdings nicht mit Schnee, dafür mit Regen und Sturm, als ich meinen damaligen MB 190 SL aus München zurück nach Zürich fuhr. Es stürme so stark, dass die Scheibenwischer dauernd von der Scheibe weggedreht wurden und ich sie abstellen musste, um sie nicht ganz zu verlieren. Fast auf der gesamten Strecke musste ich mit einem Handtuch, welches ich zufälligerweise mithatte, die Frontscheibe aussen soweit abreiben, dass ich zumindest was sehen konnte. Das war vielleicht ein Spass!

    Ich wäre ja in ein Hotel gegangen und hätte das Ende des Unwetters abgewartet, aber unglücklicherweise hatte ich meine Brieftasche mit allen Kreditkarten und den Ausweisen in München liegenlassen!

    Diese Fahrt werde ich in meinem ganzen Leben nicht mehr vergessen, sie war bis heute das Verrückteste, was ich mit meinen Oltimern erlebt habe – und da gabs doch einiges.

    Herzliche Grüsse

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